Keine Standard-Lösung

Barbara Texter (39) ist Head of Employer Branding Germany bei dem Automobilzulieferer Contintenal AG und Vorgesetzte eines Teilzeit-M.Sc.-Studenten der HHL Leipzig Graduate School of Management.  Im Interview erklärt sie, welche Vorteile sie in einem berufsbegleitenden Studium sieht und welche Möglichkeiten der Unterstützung ihr Unternehmen bietet.

 

Welche Fähigkeiten muss ein Mitarbeiter mitbringen, damit Sie ihn auf Arbeitgeberseite unterstützen?

Wichtig ist, dass der Mitarbeiter die Fähigkeiten mitbringt, die für eine Teilzeitstelle mit Studium notwendig sind und er seinen Job gut macht. Wir haben dafür den sogenannten „Best Fit“-Ansatz, bei dem der richtige Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen die für ihn richtige Stelle besetzt. Teilweise besitzen Mitarbeiter Kompetenzen, die für das Unternehmen von großer Bedeutung sein könnten, der Mitarbeiter diese aber auf seiner aktuellen Position überhaupt nicht ausspielen kann. Dafür gibt es entsprechende Kompetenzmodelle, die bei Continental momentan ausgerollt werden und uns die Möglichkeit geben, Potentiale der Mitarbeiter besser zu entwickeln und fördern. In diesem Zusammenhang kann das Teilzeitstudium ein sinnvoller Baustein zur Weiterentwicklung sein.

Inwieweit ist die mögliche Verknüpfung von Studieninhalten mit den Arbeitstätigkeiten ausschlaggebend für die Unterstützung seitens des Unternehmens?

Für den Technikbereich würde ich eine Kongruenz auf jeden Fall als wichtig ansehen, da es hier tatsächlich um die Weiterentwicklung des Mitarbeiters für eine bestimmte Zielstelle geht. Im Business-Bereich sehe ich das Teilzeit-Studium generell auch als persönliche Weiterentwicklung. Einer meiner Mitarbeiter durchläuft aktuell ein Teilzeit-M.Sc.-Programm an der HHL, was nicht unbedingt etwas mit dem Thema unserer Abteilung, also HR, zu tun hat. Inhaltlich darf es sehr wohl auch gern über das Feld hinausgehen. Heutzutage muss ein Mitarbeiter nicht zwangsläufig sein Leben lang im selben Bereich arbeiten. Da können sich bei der Weiterentwicklung noch ganz andere Bereiche auftun, wie beispielsweise Finance oder Innovation Management.

Worin sehen Sie den Vorteil einer Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter in Form eines Teilzeitstudiums im Gegensatz zur innerbetrieblichen Weiterbildung?

Ich finde beide Modelle haben ihre Vorteile. Im Studium trifft man auf einen anderen Kreis von Menschen aus verschiedenen Unternehmen, was einen Blick über den Tellerrand und einen intensiven Austausch mit anderen erlaubt. So ein externes Netzwerk ist in vielen Bereichen auch extrem wichtig, das man intern nicht oder nur sehr schwer aufbauen kann. Im Unternehmen vermitteln wir gewisse Continental-Ansätze, wie Maßnahmen, Vorgehensweisen und Prozesse, die intensiviert und beigebracht werden, sodass man damit auch im Unternehmen weiter vorankommt.

Ich finde die Kombination aus beidem ist sehr interessant. Zudem gibt es vermehrt Ansätze, die eine Anrechenbarkeit interner Weiterbildungsmodule in bestimmten Fächern an Hochschulen zum Ziel haben. Gerade in Bereichen wie der Elektrotechnik, in denen Wissen sehr schnell veraltet, ist eine stetige Investition in Weiterbildung jeglicher Art unvermeidlich. An dieser Stelle sind der internen Weiterbildung Grenzen gesetzt und deshalb ist es umso wichtiger, an die Hochschulen heranzutreten, weil dort das neueste Wissen in einem wissenschaftlich fundierten Kontext vorhanden ist. Dieses Wissen kann ohne große Reibungsverluste an den jeweiligen Mitarbeiter weitergegeben und von diesem zeitnah im Unternehmen umgesetzt werden.

Welche Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Teilzeitstudium und Beruf können Sie auf Arbeitgeberseite bieten?

Da gibt es nichts, was vorgefertigt ist. Es handelt sich um eine individuelle Absprache zwischen Vorgesetztem und seinem Mitarbeiter. Es gibt Abteilungen, die finanzieren einen Teil des Studiums. In unserem Fall haben wir dem Mitarbeiter das Teilzeitmodell angeboten und somit eine zeitliche Unterstützung angeboten, um die Vereinbarkeit von Studium und Beruf zu gewährleisten. Dabei wird das Teilzeit-Modell in der Arbeit auf die jeweiligen Stundenpläne und größere Projekte an der Uni abgestimmt.

Häufig ist der Wunsch einer universitären Weiterbildung seitens des Arbeitnehmers mit einer beruflichen oder persönlichen Veränderung verknüpft. Wie stehen Sie als Arbeitgeber dazu?

Diesem Thema steht Continental sehr offen gegenüber, da wir die Politik verfolgen, dass man maximal drei bis fünf Jahre auf einer Position verweilt. Ein großes Unternehmen bietet viele Möglichkeiten. Gerade für Managementfunktion sind deshalb Erfahrungen im Ausland, in fachfremden Funktionen oder einer anderen Division unabdingbar. Ein Teilzeit-Studium kann da auf jeden Fall helfen, den eigenen Horizont zusätzlich zu erweitern. Weiterbildung ist für uns das A und O. Wenn wir Weiterbildungsmaßnahmen vernachlässigen, bleibt auch alles andere auf der Strecke.

 

Eine Frage der Absprache