International studieren. Diversität als Schlüssel zum Erfolg

International studieren

Berufsbegleitende MBA-Studiengänge und hier besonders Executive-MBA-Programme für Fach- und Führungskräfte mit Berufserfahrung sehen Studienaufenthalte im Ausland vor. Olga Pantchenko (33) und Dr. Hans-Joachim Schulz (55) haben das Global-Executive-MBA-Programm der HHL Leipzig Graduate School of Management und der EADA Business School absolviert und dabei mehrere Module in fünf verschiedenen Ländern abgeschlossen. Der promovierte Physiker aus Deutschland und die auf interkulturelle Kommunikation spezialisierte Linguistin aus Russland arbeiten in Führungspositionen und halten auch deshalb Studienaufenthalte im Ausland für unerlässlich.

Warum haben Sie sich speziell für ein Global-Executive-MBA-Programm entschieden im Gegensatz zu einem Programm, das ausschließlich in Deutschland stattfindet?

Hans-Joachim Schulz: Grundsätzlich soll der MBA Führungskompetenzen weiterentwickeln und dabei spielen kulturelle Kenntnisse eine wichtige Rolle. Bevor man ein Geschäft im Ausland abschließt, sollte man sich mit der Kultur und den Gepflogenheiten des Landes auseinandersetzen. Deshalb habe ich das GEMBA-Programm absolviert, da ich Module in Leipzig und Barcelona abschließen, aber auch jeweils eine Woche in China, Brasilien und Indien verbringen konnte.

Olga Pantchenko: Ich kann mich meinem ehemaligen Kommilitonen nur anschließen. Interkulturelle Kompetenz wird immer wichtiger und Menschen, die Verantwortung in Führungspositionen übernehmen, sollten Kenntnisse über die jeweiligen Kulturen, mit denen sie in Kontakt kommen, mitbringen. Das hilft besonders bei der Vorbereitung auf Geschäftstermine im Ausland, da beispielsweise vertragliche Abläufe in China ganz anders ausschauen als in Europa.

Wie haben Sie persönlich und fachlich von den Auslandsaufenthalten profitiert?

Olga Pantchenko: Insgesamt waren die Studienaufenthalte im Ausland eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Dass ich öfter den Ort gewechselt habe, hat meine Produktivität während des Studiums enorm gesteigert. Es hat mir zudem geholfen, viele Inhalte von verschiedenen Perspektiven zu sehen und die unterschiedlichen nationalen Mentalitäten akademisch und geschäftlich besser zu verstehen. Ich habe außerdem sehr von den jeweiligen Erfahrungen der Dozenten in China, Brasilien und Indien profitiert, denn es macht einen großen Unterschied, ob man über kulturelle Diversität in der Business-Welt liest oder die ungefilterte Meinung direkt vor Ort hört. Fachlich habe ich sehr viel von den Besuchen der verschiedenen Firmen mitnehmen können. Insgesamt denke ich, dass das Reisen an sich schon eine tolle Erfahrung ist. Wenn man es dann noch mit dem Studium verknüpfen kann, dann wächst man nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und lernt sehr viel über sich selbst.

Hans-Joachim Schulz: Mir haben die Module in den verschiedenen Ländern auch viele Kenntnisse vermittelt, die ich, trotz meiner zahlreichen Auslandsaufenthalte in der Vergangenheit, bis dato noch nicht hatte. Das ganze Programm war für mich wie ein Jungbrunnen. Wir haben mit so vielen unterschiedlichen Leuten in den einzelnen Ländern gesprochen und es war toll, verschiedene Herangehensweisen im betriebswirtschaftlichen Bereich kennenzulernen. Fachlich konnte ich viel in Brasilien dazulernen, als wir uns mit Marketing und Compliance beschäftigt haben. Persönlich habe ich enorm von den kulturellen Gegebenheiten in den jeweiligen Ländern profitiert.

Wenn Sie auf die einzelnen Module im Ausland zurückblicken – was waren Ihre persönlichen Highlights?

Hans-Joachim Schulz: Hier könnte ich viele Punkte aufzählen. Wir haben jeweils eine Woche in Indien, Brasilien und China verbracht und jede Woche war sehr intensiv. Wir konnten uns komplett auf die neue Umgebung einlassen, Land und Leute kennenlernen und trotz der kurzen Zeit war jede dieser Wochen vollkommen ausreichend, um die neuen Kenntnisse ‘aufzusaugen‘. Eines meiner Highlights habe ich sicherlich in China erlebt. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes gab es ein Abendessen. Während dieses Essens konnte ich sehr gute Gespräche mit chinesischen Geschäftsleuten führen, mein Unternehmen vorstellen und erkennen, dass enorm viel Potenzial im chinesischen Markt steckt. Das hatte ich vorher so nicht erwartet.

Olga Pantchenko: Einer der Höhepunkte war definitiv das Kennenlernen der Diversität der Menschen in den jeweiligen Ländern. Ich reise oft, aber ich konnte mir vor dem GEMBA-Studium nicht vorstellen, wie unterschiedlich in Europa und beispielsweise Indien gelehrt wird. Diese Erkenntnis hat mir vor allem die Chance gegeben, diese Diversität besser zu verstehen. Mir wurden die Augen geöffnet, dass Diversität oft zum Erfolg führen kann.

Theorie trifft auf Praxis: Welche Inhalte aus den Studienaufenthalten im Ausland konnten Sie am besten in Ihrem Beruf umsetzen?

Olga Pantchenko: Value Chain Management war ein sehr wichtiges Thema für mich. Es hat mir geholfen, die Prozesse in meinem eigenen Unternehmen besser zu organisieren. Ich bin Existenzgründerin und zu sehen wie Unternehmen in anderen Ländern gegründet werden, hat mich nachhaltig beeinflusst. Vor allem im Zusammenhang mit Beziehungen zwischen Unternehmen und zum Beispiel internationalen Lieferanten.

Hans-Joachim Schulz: Fachlich kann ich vor allem die Inhalte aus Brasilien und China auf meinen Beruf anwenden. In Brasilien wurde ein Fokus auf Marketing gelegt und dort habe ich einige Strategien kennengelernt, die ich mir für meinen Beruf in Deutschland gemerkt habe. Besonders relevant für mich waren auch die Themen rechtliche und politische Entwicklung in China, Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingung in den letzten 20 Jahren und die daraus resultierenden Chancen für ausländische Investoren im chinesischen Markt.

Was sind abschließend Ihrer Meinung nach die wesentlichen Vorteile eines interkulturellen Studienprogramms?

Hans-Joachim Schulz: Die wesentlichen Vorteile sind, dass das GEMBA-Programm interkulturelle Kompetenzen vermittelt, die für Jobs in Führungspositionen unerlässlich sind. Die unterschiedlichen Herangehensweisen und Methoden in verschiedenen betriebswirtschaftlichen Bereichen haben uns nicht nur auf die jeweiligen Gepflogenheiten in den einzelnen Ländern vorbereitet, sondern uns auch viel Input für die Übernahme einiger Inhalte in unseren Unternehmen gegeben.

Olga Pantchenko: Ein wesentlicher Vorteil ist in dem Zusammenhang auch, dass wir eine multikulturelle Studiengruppe waren und unsere Dozenten ebenfalls unterschiedliche Hintergründe hatten. In Zeiten der Globalisierung ist es essentiell, flexibel zu sein und verschiedene Sichtweisen wertzuschätzen. Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass das GEMBA-Programm uns nicht nur akademisch gestärkt hat, sondern jeden einzelnen von uns hat wachsen lassen und dazu war Diversität der Schlüssel.