Gründungsfinanzierung leicht gemacht

Neben einer guten, umsetzbaren Idee ist die Kapitalbeschaffung der wichtigste Part eines jeden Businessplans: Gründer sehen sich einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, um Geld für das eigene Start-up zu erhalten. Dr. Dorian Proksch, Geschäftsführer des Center for Entrepreneurial and Innovative Management (CEIM) an der HHL Leipzig Graduate School of Management, bringt Licht in den Finanzierungsdschungel.

Bevor es um die konkrete Beschaffung von Finanzierungsmitteln für die Umsetzung der eigenen Businessidee geht, sind grundlegende Fragen zu beachten, die man sich als Gründer stellen muss: Wie viel Geld braucht man üblicherweise für eine Gründung? Und: In welchen Ausnahmefällen braucht man mehr/weniger Geld? Dr. Dorian Proksch, Experte im Bereich Unternehmertum, weiß, dass der Kapitalbedarf stark von der jeweiligen Branche abhängt: „Eine Gründung im Bereich Pharmazie braucht oft mehrere Millionen Euro, um die klinischen Studien zu finanzieren. Ein E-Commerce-Unternehmen kann man möglicherweise schon mit einer sehr geringen Kapitalausstattung starten, je nachdem, ob die Gründer selbst ein Gehalt brauchen oder sich anders finanzieren können.“

Zudem bedürfe es laut Proksch häufig in technologiegetriebenen Unternehmen höherer Investitionen, wenn beispielsweise in spezielle Maschinen oder Geräte investiert werden müsse. Oft bräuchten solche Unternehmen auch länger bis zur Marktreife und müssten daher eine längere Zeit bis zu den ersten Umsätzen überbrücken. Im Software-Bereich beschränken sich die Kosten teilweise hauptsächlich auf die Personalkosten: „Wenn die Gründer ihren Lebensunterhalt anderweitig finanzieren können, gehen die Kosten für die Gründung möglicherweise gegen Null. Dies ist das berühmte Beispiel mit der Gründung in der Garage“, so Proksch.

Die nachfolgend aufgeführten Wege sind laut des Experten allgemein verbreitet und gehören zu den Standards in der Finanzierung von Gründungen.

Eigenfinanzierung

Bei der Eigenfinanzierung verbleiben sämtliche Anteile beim Unternehmer. Im Falle eines Verkaufs des Unternehmens bringt dies den maximalen Gewinn für den Gründer, zudem hat er die gesamte Entscheidungsbefugnis in geschäftlichen Angelegenheiten. Experte Proksch ergänzt: „Einher mit der vollen Entscheidungsautonomie geht jedoch auch das finanzielle Risiko des Gründers. Gegebenenfalls ist die eigenen Investition und damit z. B. das Privatvermögen verloren.“

Stipendien/staatliche Förderungen

Ähnlich wie bei der Eigenfinanzierung müssen auch bei Stipendien oder einer staatlichen Förderung keine Anteile abgetreten werden. Dr. Dorian Proksch weiß, dass diese Finanzierungsart eine Signalwirkung für den Erfolg der Unternehmung hat und damit möglicherweise höhere Chancen auf ein Investment hat. Er konstatiert aber auch, dass Stipendien nur für bestimmte, meist technisch basierte Konzepte verfügbar seien, die Konkurrenz groß sei und der Beantragungsprozess häufig sehr lange dauere. Diese Wartezeit müsse dann wiederrum finanziell anderweitig überbrückt werden.

Business Angels

„Business Angels sind eine gute Möglichkeit, am Anfang der Unternehmung eine erste Finanzierung zu bekommen“, erklärt Proksch. Die oft sehr schnellen Entscheidungen, häufig zusätzliche Beratungsleistungen durch den Business Angel und der Zugriff auf sein Netzwerk seien zudem entscheidende Vorteile. Noch, so Proksch, hat diese Finanzierungsmöglichkeit in Deutschland eine geringe Bedeutung, da das Netzwerk an Business Angels relativ klein sei. Die Gründer müssten Geschäftsanteile abgeben. Am Anfang ist das Unternehmen meist zwar wenig wert, entsprechend müssten Anteile für vergleichbar wenig Geld abgegeben werden.

Venture Capital

Das Venture Capital ermöglicht Summen ganz anderer Größenordnung: „Häufig sind sie die einzige Möglichkeit, Investments jenseits der Millionen Euro zu erhalten. Für den Gründer stellt Venture Capital ein geringes Risiko dar, da das Geld nicht zurück gezahlt werden muss“, so Proksch. Die Gründer profitierten von Beratungsleistungen durch den Venture Capital Funds, auch hier ist es häufig möglich, auf Netzwerke von Business Angel zurückzugreifen. Nachteile sieht Proksch in der Abgabe von Anteilen und damit von potentiellen Gewinnen sowie von Entscheidungsbefugnissen. Darüber hinaus müsste das Unternehmen verkauft werden, wenn das Venture Capital Unternehmen danach verlangt. Der Gründer könne dabei – je nach Vertrag – aus dem Unternehmen gekündigt werden. Ferner ist der Dokumentationsaufwand höher, da für den Investor monatlich ein umfangreiches Reporting erstellt und weitere, bürokratische Vorgaben erfüllt werden müssten, merkt Proksch an.

Bankkredit

Beim Bankkredit sieht Proksch die Vorteile klar in den schnellen Entscheidungswegen, zudem behalte der Gründer sämtliche Anteile und Entscheidungsbefugnisse. Auf der anderen Seite hafte der Gründer, wenn der aufgenommene Kredit nicht zurückgezahlt werden könne. Zudem müssten oft Sicherheiten zur Verfügung gestellt werden, um einen Kredit zu erhalten.

Crowdfunding/-lending

Proksch sieht das Crowdfunding als schnelle und unkomplizierte Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Häufig bestünden jedoch – je nach Plattform/Gestaltung – Probleme bei der Weiterfinanzierung: Während Venture Capital Unternehmen nur wenige Anteilseigner am Unternehmen möchten, sei das Crowdfunding oft nur bei Konzepten erfolgreich, die bei einem breiten Publikum beliebt seien.

Balance halten

„Wenn man Anteile des Unternehmens abgibt, schmälert das später den potentiellen Gewinn, beispielsweise bei einem Verkauft der eigenen Gründung”, betont Proksch. Man müsse sich darüber bewusst sein, dass man mit der Abgabe von Anteilen zudem nicht mehr alleiniger Entscheidungsträger sei und das eigene Unternehmen möglicherweise nicht mehr so gestalten könne, wie man es ursprünglich vorhatte.

Bei einer Venture Capital Investition werde immer ein Verkauf des Unternehmens angestrebt. Als Gründer bedeute dies auch, dass man nach der Gründung möglicherweise nicht mehr im eigenen Unternehmen arbeiten darf, da beispielsweise der neue Besitzer eigene Leute für die Geschäftsführung einsetzen möchte: „Das sollte man sich als Gründer bewusst sein. Allgemein tauscht der Gründer durch die Abgabe von eigenen Anteilen eine Verringerung seines Risikos gegen einen Teil seines potentiellen Gewinns”, resümiert Proksch.