Durchstarten in der Fremde

5 Türöffner für den deutschen Arbeitsmarkt

Wer im Ausland Karriere machen will, hat es oft schwer. Dabei ist die  Expertise aus Übersee oft ein Vorteil – vor allem von MBA-Studenten. Wichtig ist nur, sie richtig einzusetzen.

Lenett Heerde, MBA at HHLWer hat nicht schon mal davon geträumt, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Neue Kultur, exotisches Essen, andere Sprache. Die Fremde hat schon immer die Neugierigen gelockt, jetzt in Zeiten der Globalisierung erst recht.
Lenette Heerdes Neugier trieb sie rund 8.000 Kilometer von zu Hause weg: von der Westküste der USA nach Franken, wo sie heute in der Marketing-Abteilung von Adidas arbeitet. Seit fast sieben Jahren mittlerweile. Und sie fühlt sich wohl: Alles ist international und weltoffen. „Bei uns wird durchweg englisch gesprochen“, sagt die 32-Jährige. Für die gebürtige Amerikanerin genau das richtige Arbeitsumfeld.

Heerde ist eine von rund sieben Millionen internationalen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, die in Deutschland die Wirtschaft ankurbeln. Ein Großteil von ihnen kommt aus anderen EU-Staaten, Asien aber auch Amerika. Und sie sind gern gesehene Gäste. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel fordern ein strategisches Umdenken was die Erledigung gesellschaftlicher Aufgaben angeht. Dabei wird derzeit oft recht pessimistisch in die Zukunft geschaut: Die nachwachsende Generation schaffe die Herausforderungen nicht, die die Gesellschaft von morgen an uns stellen wird, wird argumentiert.

Der deutsche Arbeitsmarkt heißt willkommen

„Internationale Bewerber mit breitem akademischen und professionellem Hintergrund werden in Deutschland stark nachgefragt“, sagt Martina Beermann vom Career Center der HHL in Leipzig. Der Master of Administration zum Beispiel kann da schnell Türe und Tore öffnen. „MBA-Absolventen werden besonders in den Bereichen Software und IT-Dienstleistungen gesucht“, fügt Beermann hinzu.

600.000 offene Stellen melden die Unternehmen aktuell. Deutschland zählt zu den Wirtschaftsgrößen Europas. Neben zahlreichen Großkonzernen sind aber auch Klein- und Mittelständler gute Adressen. Viele von ihnen zählen zu den sogenannten „Hidden Champions“, also jene kleineren Unternehmen, die aufgrund ihrer Nähe zum Kunden, Zielgruppen oft besser erreichen. Zudem ist es dort oft leichter in Führungspositionen aufzusteigen. Boomende Branchen: E-Commerce, Big Data, IT- und Finanzwirtschaft.

Als Lenette Heerde nach Deutschland kommt, hat sie noch keinen konkreten Plan, wie sie hier Fuß fassen will. Ihr Vorteil: Sie ist kein Neuling. Schon als 17-Jährige nimmt sie am „German American Partnership Program“ teil und besucht einen Monat lang das Immanuel-Kant-Gymnasium in Tuttlingen. Auch während ihres Bachelor-Studiums in Foreign Languages and Literatures an der Universität in Washington mit Schwerpunkt Deutsch und Internationale Wirtschaft lernt sie ein Jahr lang das Leben an einer deutschen Universität kennen. Die deutsche Sprache, die deutsche Kultur, die neuen Freunde – all das prägt sich tief in ihr Gedächtnis ein.

2005 dann kehrt sie zurück und fängt während eines Au-Pair-Jahres an, ihre Karriereperspektiven in der Fremde zu überdenken. Sie recherchiert, fragt rum und entscheidet sich für ein Studium an der HHL in Leipzig. „Es war mir wichtig, dass der Abschluss in Amerika anerkannt wird“, sagt die MBA-Absolventin heute. Denn die Option auf eine Rückkehr in ihr Heimatland will sie sich offenhalten.

Der MBA oder M.Sc. als Karrierechance

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA greifen Global Player aber auch mittelständische Unternehmen verstärkt auf MBA-Absolventen zurück. Gerade ein Abschluss an einer renommierten Hochschule lässt die Aussichten auf einen guten Job immer weiter ansteigen. Nicht nur die fachlich breit gefächerte Ausbildung, die unternehmerisches Denken schult und vor allem jenes Allgemeinwissen fördert, wie ein Unternehmen funktioniert, machen Absolventen für den Arbeitsmarkt attraktiv. Auch die intensive Karriereberatung und vor allem die gute Vernetzung mit Unternehmen und Kommilitonen hat schon so Manchem eine Stelle beschert.

„Praxisprojekte und Gespräche mit Netzwerkpartnern sind für ausländische Bewerber wichtig, Anforderungen und individuelle Erwartungen miteinander abzugleichen“, erklärt Karriereberaterin Martina Beermann von der HHL Leipzig. Ein Praktikum ist oft der Einstieg in die Professionalität: Mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen rekrutieren ihre Arbeitnehmer über Praktika und andere Praxiskontakte. Beermann empfiehlt deshalb, sich in auch in sozialen Netzwerken strategisch sinnvoll zu verknüpfen und dort die eigenen Erfahrungen zu präsentieren.

Natalia ChurikovaAuch Lenette Heerde startet bei Adidas mit einem Praktikum. Im Einzelhandelsmarketing sammelt sie ihre ersten Erfahrungen, heute koordiniert sie die gesamte strategische Planung, was die Außenkommunikation angeht. „Damals als ich nach Deutschland kam, war der MBA noch nicht so bekannt wie heute, erinnert sich Heerde. Das hat sich mittlerweile geändert. Vor allem die Branchen Consulting, Technologie, sowie die Konsumgüter-, Pharma-, Biotechnik- und Gesundheitsindustrie und die Energiewirtschaft verzeichnen Zuwächse und suchen Personal. Natalia Churikova aus Russland, HHL M.Sc. Studentin, steigt direkt nach Abschluss ihres Master-Studiums an der HHL als Trainee bei Daimler Financial Services in Stuttgart ein. Für anderthalb Jahre kann sie nun das Unternehmen, seine Struktur, Strategie und Produkte im In- wie auch im Ausland kennenlernen. „Während des Trainee-Programms habe ich die Möglichkeit in verschiedene Abteilungen reinzuschauen“, erzählt Churikova begeistert. Drei Monate war sie für Daimler schon in Rom und drei in Moskau. Neben den Projekten sammelt sie Expertise durch nationale und internationale Trainingskurse und Workshops. Einer der letzten Kurse fand in Indien statt. Ihr interkultureller Hintergrund ist da nur von Vorteil. Doch nicht immer fiel ihr das Ankommen in der Fremde leicht.

Wichtige Voraussetzung: die Sprache

„Die Entscheidung nach Europa zu gehen, die Bewerbung für das Stipendium an der HHL, ihr anschließendes Studium und auch die Job-Bewerbung waren mit sehr viel Vorbereitung und Bemühungen verbunden“, erinnert sich Churikova. Ihr großer Vorteil sind ihre guten Deutschkenntnisse. So wie Lenette Heerde spricht auch sie fließend die hiesige Muttersprache. Das hilft, auch wenn manchmal Heimweh aufkommt. „Man muss bereit sein, viel zu lernen und viel mehr Gas zu geben, weil man mit den Leuten aus dem Land konkurriert, aus dem man selbst nicht kommt“, sagt Churikova. Sie und Lenette Heerde aber haben es geschafft: Dank ihrer guten Ausbildung und dem Willen sich in der Fremde zu behaupten, gehören sie heute schon zu den Durchstartern von morgen.

Veranstaltungshinweis

Karriere-Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit einem MBA der HHL“ Webinar am Donnerstag, 14. Januar 2016, von 15 bis 15.45 Uhr (MEZ).

Weitere Informationen finden Sie hier!

 

5 Türöffner für den deutschen Arbeitsmarkt

5 Türöffner für den deutschen Arbeitsmarkt:

Sprachkenntnisse. Gute Deutsch- und Englischkenntnisse

Charakterstärke. Engagement und Durchsetzungsvermögen

Netzwerk. Hilfreich ist ein gutes soziales und relevantes Netzwerk

Arbeitserfahrung. Praktika spiegeln gleichzeitig Anforderungen und individuelle Erwartungen wider

Karriereservice. Unterstützung bei der Bewerbung sowie bei Kontakten zu Arbeitgebern

 

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