Die Talentschmiede

Promotion an der HHL

Den Master in der Tasche und trotzdem noch Lust auf Uni? Im House of Talents, dem Doktorandenprogramm an der HHL Leipzig Graduate School of Management, können erfolgreiche Absolventen promovieren – und sich so für eine Karriere in der Wissenschaft aber auch in der Wirtschaft rüsten.

Marcus Saber ist Kosmopolit: Privat und beruflich reist er quer durch Europa, zum Studium aber kommt er nach Leipzig. Wie das geht? Marcus Saber ist Teilzeit-Doktorand am House of Talents, dem Doktorandenprogramm der HHL Leipzig Graduate School of Management. Erst 2014 hatte er seinen Master in Management an der HHL erfolgreich abgeschlossen. Also hätte er der Wissenschaft getrost den Rücken kehren und sich wieder ganz ins Berufsleben stürzen können. Marcus Saber arbeitet seit 2008 bei der Schwarz Unternehmensgruppe, aktuell als Bereichsleiter Digital bei der Lidl E-Commerce International. „Aber ich bin ein Netzwerker“, sagt der 26-Jährige heute, der vor allem abends und an den Wochenenden an seiner Promotion arbeitet. „Ich interessiere mich für neue Konzepte und Entwicklungen und vor allem tausche ich mich gerne mit anderen Studierenden aus“.

Richtige Mischung zwischen Theorie und Praxis

Das House of Talents der HHL Leipzig Graduate School of Management bietet ihm dafür perfekte Voraussetzungen. Gerade ist Marcus Saber in Leipzig und besucht die Summer School an der HHL. Auch wenn er sich sonst seine Zeit nach seinen Vorstellungen einteilen kann, ist diese Vorlesungswoche für die Promovierenden Pflicht.

Gemeinsam mit anderen Doktoranden hört Saber in diesem Jahr Vorträge zum Thema Leadership. Hochrangige Vertreter aus der Wirtschaft referieren darüber, wie ein Unternehmen geführt werden kann. Für den 26-Jährigen ist das guter Input: „Die Kurse der Summer School haben genau die richtige Mischung zwischen theoretischen Modellen und praktischer Anwendung“, sagt er. Wenn er in Kürze wieder an seinen Schreibtisch zurückkehrt, kann er das gerade erlernte Wissen direkt anwenden.

Für Professor Wilhelm Althammer ist genau das der springende Punkt. Er sieht die Promotion an der HHL als Transferbrücke: „Wir bearbeiten Fragestellungen, die für die Wissenschaft und die Unternehmen interessant sind“, erklärt der Vorsitzende des Promotionsausschusses. Da geht es um ethische Fragen im Risikomanagement, Kommunikation und Führungsverantwortung, Arbeitnehmereinbindung in Open Innovation, Service-Produktivität oder Nachhaltigkeit. Aber nicht nur, dass sich Doktoranden mit Themen aus Wirtschaft und Management befassen. Auch das wissenschaftliche Arbeiten an sich ist eine gute Schule für künftige Führungskräfte: Theoretische Erklärungsmodelle entwickeln, Daten analysieren, Probleme eruieren und am Ende Strategien und Lösungen finden.

Eine Promotion an der HHL sei also keineswegs weltfremd, erklärt Wilhelm Althammer. Nicht nur einmal wurde der Wirtschaftsexperte gefragt, ob der Doktortitel für eine Karriere in der Wirtschaft überhaupt notwendig sei oder gar überqualifiziere. Im Gegenteil: Von den rund 200 Absolventen des Doktorandenprogramms an der HHL in den vergangenen 20 Jahren machten 30 eine wissenschaftliche Karriere als Post-Doc, Hochschullehrer und Universitätsprofessor, , die restlichen 170 starteten erfolgreich eine Karriere in der freien Wirtschaft, einige sogar mit einem eigenen Unternehmen. „Wir sprechen bewusst Studierende an, die in ihren wissenschaftlichen Neigungen unterfordert sind“, so Althammer. Auch Marcus Saber geht es nicht vorrangig um die höhere Qualifikation. „Ich brauche keinen Titel, um die nächste Ebene im Management zu erreichen“, sagt er. „Die Promotion ist ein weiterer Schritt meiner persönlichen Entwicklung und zeigt ein tiefes Interesse an den Dingen, die ich täglich tue.“

Forschungsstipendien zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Wer sich an der HHL bewirbt, sollte also eine ordentliche Portion Wissensdurst mitbringen und ein Thema, mit dem er sich die nächsten 3 Jahre beschäftigen kann und will. Jedes Jahr können  ca. 25 neue Doktoranden an der HHL ihr Forschungsvorhaben beginnen. Angenommen wird, wer mit seinem ausformulierten Promotionsvorhaben überzeugt und die geeignete Qualifikation vorweisen kann. Viele der Bewerber haben einen Master in Wirtschaftswissenschaften in der Tasche. Das Programm ist aber auch offen für Quereinsteiger.

Als Stefan Anderers Doktorvater an die HHL ging, bewarb er sich für eines der begehrten Friede-Springer-Stipendien. Stefan Anderer ist Research Associate am Center for Advanced Studies in Management (CASiM) und Research Fellow am Dr. Arendt Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung. Die HHL verzichtet bei Stipendiaten auf die Studiengebühren von 15.000 Euro. Das Stipendium deckt seine Lebenshaltungskosten sowie die Teilnahme an wissenschaftlichen Konferenzen Er schätzt den Freiraum und die Eigenverantwortung, die er als Stipendiat an der HHL hat. „Die Promotion ermöglicht mir, eng mit der Hochschule verzahnt zu sein und trotzdem mein Leben an einem anderen Ort aufrecht zu erhalten“, sagt der 32-Jährige, der in Berlin zu Hause ist. Trotz der Entfernung, fühlt sich Anderer gut betreut. „Durch die enge Kommunikation und das breite Angebot an Doktorandenkursen, die hauptsächlich an Wochenenden stattfinden, bleibt der logistische Aufwand überschaubar“, sagt er.

Verbindung von Forschung und Lehre

Ein dritter Weg zur Promotion führt über eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Für mich war die Option, direkt nach dem Master an der HHL die Promotion zu beginnen sehr reizvoll, da ich thematisch und auch inhaltlich an meinem Forschungsfeld weiter arbeiten konnte“, sagt Fabienne Orban. Sie ist Research Associate an der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Juniorprofessur für Internationales Management. In ihrer Promotion untersucht die 28-Jährige den Einfluss von CEOs und Top-Managern auf den Erfolg eines Unternehmens. Darüber hinaus unterstützt sie Forschung und Lehre der Juniorprofessur. Dabei betreut sie Praxisprojekte mit Unternehmen oder besucht internationale Konferenzen und präsentiert so die HHL über die Landesgrenzen hinaus. Besonders gute Promovenden erhalten im Anschluss die Möglichkeit zur Habilitation an der HHL. Auch der Weg zur Juniorprofessur an  anderen Hochschulen steht ihnen offen.

Wer gut ist, wird belohnt

Ob also als Praktiker, als Stipendiat oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter – am Ende einer Promotion zählt das Ergebnis. Die Forschungsergebnisse der HHL-Doktoranden sind in den vergangenen Jahren auf große Resonanz gestoßen, auch international. Auch Stefan Anderer, der derzeit gemeinsam mit seinem Doktorvater Timo Meynhardt und einer Kollegin von der Universität St. Gallen ein Forschungsprojekt zu Denkstilen im Management erarbeitet, wurde bereits zur renommierten Konferenz der „Academy of Management“ nach Kalifornien eingeladen. Aber es ist nicht nur das gute Feedback. Viele sehen den Vorteil auch darin, dass sie nicht zwingend eine große Abschlussarbeit anfertigen müssen, sondern verschiedene Fachartikel schreiben und publizieren können, oft gemeinsam mit Co-Autoren. „Das Arbeiten wird dadurch einfacher“, sagt Teilzeit-Doktorand Marcus Saber, „im Team sind wir nicht auf uns allein gestellt.“ Das zahlt sich aus. Vor drei Jahren erhielt Nagwan Abu El-Ella zusammen mit ihrem akademischen Lehrer Prof. Dr. Andreas Pinkwart den ISPIM Award für das „Best Paper on practical implications for technology“. 2015 wurden der HHL-Doktorand Christian Comberg und Co-Autoren mit dem ISPIM „That’s Interesting!“ Research Award ausgezeichnet. Intern werden die besten Forschungsleistungen jedes Jahr mit dem HHL-Forschungspreis geehrt. Aber auch ohne Auszeichnung: Eine Promotion an der HHL öffnet den Karriereschritt in die Forschung, ohne den Weg in die Wirtschaft zu verbauen.

Über den Autor

Lis Schulz
Online Marketing Manager an der HHL