„Die Herausforderung von Leadership in Zeiten digitaler Transformation ist es, liquide lernende Systeme zu schaffen“

HHL diskutierte in Köln mit ihren Studierenden und Gästen über das  neue Leipziger Führungsmodell

Im Zuge der gewaltigen Umbrüche durch die Digitalisierung stellt sich für immer mehr Unternehmen die Frage, was sie von den Start-ups lernen können, um intensiven Wandel besser zu überleben. Diese und andere drängende Themen diskutierten am vergangenen Wochenende der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Postbank AG, Frank Strauß, mit HHL-Alumnus und Co-Gründer der Hotelsuchmaschine trivago, Rolf Schrömgens. Gastgeber und Moderator war HHL-Rektor Prof. Dr. Andreas Pinkwart. Die Diskussion im STARTPLATZ, dem Kölner Startup-Inkubator und neuen Studienort der HHL, ist Teil einer umfassenden Themenreihe „Führung neu denken“-In ihrem Zentrum steht das Leipziger Führungsmodell, dass der Öffentlichkeit von der  Managerschmiede im vergangenen Dezember vorgestellt wurde.

„Egal ob Startup oder Konzern – Digitalisierung erfordert schnellere und flexiblere Lösungen innerhalb einer lernenden Organisation.“

Postbank-Chef Frank Strauß sieht Führung immer häufiger vor die Herausforderung gestellt, „den Spagat zu meistern: Ruhe in ein Unternehmen zu bringen, das gleichzeitig noch aggressiv und liquide genug ist, um den Transformationsprozess zu bewältigen. Das kann nur gelingen, wenn Transformation in ein Unternehmen integriert wird, denn die Mitarbeiter müssen dabei stets mitgenommen werden“.

Für Rolf Schrömgens, der erst vor einigen Monaten mit seinem Unternehmen trivago den Sprung an die US-Technologiebörse Nasdaq gewagt hat, steht  fest: „Digitalisierung verändert den Informationsfluss und erhöht die Transparenz in vielen Bereichen des Unternehmens. Je transparenter Unternehmen sind, umso schneller lernen sie. Viele Unternehmen können nicht lernen, weil ihr System aufgrund von kristallinen Strukturen keine unvoreingenommenen Entscheidungen zulässt.“ Digitalisierung sei daher weit mehr als nur die Bereitstellung neuer Tools und anderer Sprachen. Es ginge um Transparenz, die Entscheidungen ohne Bias erlaubten und neue Möglichkeiten des Lernens eröffneten.

Um trotz hoher Flexibilität und ständigen Wandels auch für die notwendige Stabilität im Unternehmen zu sorgen, warb HHL-Rektor Prof. Dr. Andreas Pinkwart für ein Purpose-orientiertes Führungsverständnis. „Es ist wichtig, dass sowohl Konzernvorstände als auch Unternehmensgründer mit ihren Teams einen überzeugenden Purpose vor Augen haben“. Anstelle von Idealmodellen empfahl er eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Spannungen und Potentialen guter Führung. Von zentraler Bedeutung sei die Verhaltensänderung bei den Beschäftigten. Hier sei die Gefahr groß, dass jene, die sich in Unternehmen und der Gesellschaft abgehängt fühlten, letztlich die Entwicklung und Transformation massiv behindern könnten.“

Im Anschluss an eine lebhafte Diskussion erhielten mehr als 75 Gäste nach der Diskussion Einblicke in die neuen Räumlichkeiten der HHL in Köln. Seit November 2016 ist sie im Startup-Inkubator STARTPLATZ beheimatet. Das Entrepreneurship-Profil Deutschlands bester Gründerhochschule wird damit zusätzlich geschärft.