Ich möchte berufsbegleitend studieren – wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber?

berufsbegleitend studieren

Ein berufsbegleitendes Studium kommt für viele in Frage, die sich beruflich verändern und die Karriereleiter ein Stück weiter hochklettern möchten. Dabei können die Studenten kurz hinter ihrem BA-Abschluss stehen oder bereits einige Jahre in einem Unternehmen arbeiten. Für beide Gruppen bietet sich ein berufsbegleitendes Masterstudium an, dass neben dem Job absolviert werden kann. Bei der Vorbereitung auf den Studienbeginn ist es in dem Zusammenhang wichtig den Arbeitgeber früh mit ins Boot zu holen und entscheidende Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Finanzierung des Studiums oder das Zeitmanagement, zu besprechen.

Gerrit Doyé absolvierte sein Bachelorstudium in Nürnberg und begann danach bei einem Automobilzulieferer in Hannover zu arbeiten. Nach drei Jahren Berufserfahrung entschloss er sich bei der HHL Leipzig Graduate School of Management für den Master of Business Administration (MBA) zu bewerben und studiert nun im dritten Semester. Bereits vor der Bewerbung suchte er das Gespräch mit seinem Arbeitgeber und informierte ihn über seine Pläne ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen. Dies geschah weit vor der Einschreibung an der HHL, da Doyé bereits zu Beginn seiner Tätigkeit bei dem Automobilzulieferer erwähnte, dass er künftig ein Masterstudium abschließen möchte. „Ich entschied mich speziell für ein berufsbegleitendes Studium, da ich immer sehr viel Spaß in meinem Job hatte und mir deshalb nicht vorstellen konnte das Studium in Vollzeit aufzunehmen“, erzählt Doyé. Die Praxis sei Doyé in diesem Kontext sehr wichtig, da er die gelernten Inhalte aus den Vorlesungen direkt im Unternehmen einbringen kann. Dieses Argument nutze Doyé auch, um seinen Arbeitgeber von dem berufsbegleitenden Masterstudium zu überzeugen. Aufgrund eines internen Jobwechsels, stand für Doyé erst einmal eine Einarbeitungsphase auf dem Plan bevor er mit dem Studium beginnen konnte. „Bereits bei dem Interview zum Jobwechsel habe ich meiner Chefin von dem Masterstudium erzählt und deutlich gemacht, dass ich damit gern nach der Einarbeitungsphase beginnen möchte“, sagt Doyé. Als es dann soweit war, fanden nochmals Gespräche mit der Chefin statt, vor allem wegen des Rahmenvertrages. „Die internen Prozesse und Genehmigungen können in einem globalen Unternehmen teilweise etwas länger dauern. Auch wenn man schon frühzeitig eine verbale Zusage bekommt, sollte man damit rechen, dass der formelle Teil gewisse Zeit benötigt“, erinnert sich Doyé. Das habe einige Zeit in Anspruch genommen. Deshalb empfiehlt Doyé so früh wie möglich mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um mögliche Zulassungsprüfungen und Einschreibungsfristen nicht zu verpassen. Aufgrund seiner Tätigkeit in der Personalentwicklung, war es für Doyé relativ einfach seine Chefin von dem berufsbegleitenden Studium zu überzeugen. „Ich kann mir jedoch vorstellen, dass künftige Studenten manchmal richtige Überzeugungsarbeit leisten müssen und dann längere Verhandlungsgespräche mit dem Arbeitgeber stattfinden“, erzählt Doyé. Sollte es dazu kommen, empfiehlt der MBA-Teilzeitstudent sich sehr gut mit einer Liste von verschiedenen Argumenten auf das Gespräch vorzubereiten. „Das stärkste Argument ist vor allem, dass das Unternehmen von der Weiterbildung seiner Mitarbeiter profitiert. Man sollte dem Arbeitgeber deutlich machen, dass man das gelernte Wissen aus den Vorlesungen sofort im Unternehmen anwenden kann und die Abteilung davon enorm profitiert. Durch die Unterstützung haben Unternehmen auch die Möglichkeit den Mitarbeiter für eine gewisse vertraglich an sich zu binden.“

Im März 2014 entschied sich Patrick Wunsch für ein berufsbegleitendes Studium und schrieb sich wenige Monate später für den Master of Science an der HHL ein. Ähnlich wie Gerrit Doyé entschloss er sich seinen Arbeitgeber frühzeitig in seine Pläne einzuweihen und dies war gleichzeitig sein stärkstes Argument ihn von dem berufsbegleitenden Studium zu überzeugen. „Mein Arbeitgeber hat gemerkt, dass ich gut organisiert bin und mich frühzeitig mit meiner Zukunft im Unternehmen auseinandergesetzt habe. Das brachte mir viele Pluspunkte“, erzählt Wunsch. Auch bei Patrick Wunsch ging der Beginn des Studiums mit einem Jobwechsel einher, sodass beim Interview die einzelnen Rahmenbedingungen für das berufsbegleitende Studium besprochen werden konnten. „Während den Gesprächen wollte ich speziell mehr zu den einzelnen Arbeitszeitmodellen wissen, damit ich mich bezüglich des Zeitmanagement gut auf die Doppelbelastung Job und Studium vorbereiten konnte“, erzählt Wunsch. „Dabei war es meinem Chef wichtig, dass ich so gut wie permanent vor Ort bin, um weiterhin meine Projektarbeit zu betreuen“, führt Wunsch weiter aus. „Letztendlich konnten wir uns dann aber einigen, dass ich zum Beispiel freitags nicht ins Büro komme oder früher Feierabend machen kann, wenn ein Präsenzwochenende an der HHL ansteht oder ich mich auf Prüfungen vorbereiten muss.“ Während es in dem ersten Gespräch hauptsächlich um die Organisation des Studiums ging, bekam Wunsch für das zweite Gespräch den Auftrag von seinem Chef sich ein konkretes Programm herauszusuchen und dieses dann vorzustellen. „Da habe ich dann eine Präsentation vorbereitet, die die Studieninhalte vorgestellt hat. Diese habe ich dann mit den Vorteilen verknüpft, von denen das Unternehmen profitieren kann“, erzählt Wunsch. Dabei kommt es immer konkret auf die jeweilige Branche an aber grundsätzlich sei es eine gute Idee dem Arbeitgeber zu vermitteln, dass das Studium sehr praxisorientiert sei und man das Wissen sofort auf die eigene Arbeit anwenden könne.

Sebastian Müller hat bei solchen Gesprächen ähnliche Erfahrungen gemacht, befand sich aber in solchen Situationen in der Rolle des Arbeitgebers. Müller arbeitet als Head of Operational Controlling bei der BASF und leitet dort ein Team von rund zehn Mitarbeitern. „Eine meiner Mitarbeiterinnen sprach mich vor einiger Zeit bezüglich eines berufsbegleitenden Masterstudiums an. Grundsätzlich begrüße ich es immer, wenn Mitarbeiter selbstständig auf mich zukommen und sich mit ihrer Zukunft im Unternehmen beschäftigen“, sagt Müller. Im Unternehmen würden regelmäßig Gespräche zur beruflichen Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter geführt, deshalb hätten die künftigen Studenten vorab genug Zeit ihre Pläne mit dem Arbeitgeber zu besprechen. „Während des konkreten Gesprächs zur Studienorganisation und wie man dies in den Alltag im Unternehmen einbinden kann, habe ich mich vor allem durch die Inhalte des Masterprogramms überzeugen lassen“, erzählt Müller. Es sei empfehlenswert, dass Mitarbeiter ihrem Chef das Studienmodell detailliert vorstellen und dabei herausfiltern, welche Inhalte dem Unternehmen speziell von Nutzen sein können. „Die ersten Gespräche über das berufsbegleitende Studium sollten deshalb auch erst einmal losgelöst von Zeit und Geld stattfinden“, sagt Müller. Über diese Rahmenbedingungen könne man sich zu einem späteren Zeitpunkt unterhalten, wenn man sich auf Studieninhalte geeinigt hat und bereits ein Programm an einer Hochschule ausgewählt sei. „Zudem sollte sich der Mitarbeiter nicht nur mit seiner aktuellen Position im Unternehmen auseinandersetzen sondern überlegen wie er mittelfristig das Studium in seinen Job einbringen kann. Dabei kann auch eine berufliche Veränderung innerhalb des Unternehmens eine Rolle spielen“, sagt Müller.

Nach erfolgreichen Gesprächen zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber, können sich künftige Studenten meistens auf die finanzielle und zeitliche Unterstützung ihres Arbeitgebers verlassen. Dabei werden in der Regel fünfzig bis siebzig Prozent der Studiengebühren übernommen und oft findet eine Einigung statt, dass der Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten nutzen darf, um sich auf die Präsenzwochenenden vorzubereiten.

Folgende Punkte sollten künftige Studenten bei dem Gespräch mit ihrem Arbeitgeber beachten:

  • Zeitplan: So früh wie möglich den Arbeitgeber in Pläne einbeziehen
  • Mit Inhalten überzeugen: Studienprogramm detailliert vorstellen
  • Vorteile herausstellen, die Unternehmen von Weiterbildung seines Mitarbeiters hat
  • Zunächst qualitativ überzeugen, dann erst Zeit und Geld ansprechen
  • Mittelfristig über Entwicklung im Unternehmen nachdenken