Aktuelle Prognosen für die Deutsche Bundestagswahl

Aktuelle Prognosen zu Sitzverteilung, Regierungskoalitionen und der Verteilung der Ministerien bei der Deutschen Bundestagswahl 2017

 

Die Wahlen zum Deutschen Bundestag am 24. September rücken näher und wie immer besteht nicht nur Unsicherheit darüber, ob Umfragen die Wahlergebnisse präzise vorhersagen, sondern auch über die politischen Folgen der neuen Sitzverteilung im Bundestag.

Auf Grundlage wöchentlicher Umfrageergebnisse (INSA/YouGov) ermitteln wir:

– Die Anzahl der Sitze jeder Partei, die über die 5%-Hürde gelangt
– Alle minimalen Gewinnkoalitionen
– Alle stabilen Koalitionen (gemäß dem konditionalen Shapley-Wert: siehe A. Casajus and P. La Mura, ‚The Conditional Shapley Value‘. HHL Working Papers, 2017.)
– Für jede stabile Koalition den Anteil der Ministerien, die jede Partei in diese Koalition erhalten würde

Zum Starten der Berechnung „Berechnung“ klicken.

 

Die obere Tabelle des Ausgabefensters zeigt den prognostizierten Stimmanteil für jede der Parteien auf Grundlage aktueller Umfrageergebnisse sowie die prognostizierte Anzahl der Sitze für jede Partei. Die letzte Spalte (‚Stärke‘) zeigt für jede Partei die Verhandlungsmacht in Koalitionsgesprächen (gemessen durch den Shapley-Wert) auf Grundlage der Sitzverteilung und unabhängig von der ideologischen Nähe oder Abneigung zu potentiellen Koalitionspartnern.

Die restlichen Zeilen des Ausgabefensters führen alle minimale Gewinnkoalitionen gemäß der aktuellen Umfrageergebnisse und alle Gewinnkoalitionen, die in Bezug auf den konditionalen Shapley-Wert stabil sind, auf.

Aus den Ausgabeergebnissen ist ersichtlich, dass es 11 minimale Gewinnkoalitionen gibt, d.h., Koalitionen in denen alle enthaltenen Parteien nötig sind, um eine Mehrheit zu erreichen. Von diesen 11 minimalen Gewinnkoalitionen sind vier stabil bezüglich des konditionalen Shapley-Wertes. Das bedeutet, dass es keine gewinnbringenden Abweichungsmöglichkeiten gibt, die dazu führen würden, dass sich eine andere der minimalen Gewinnkoalitionen bildet. (Üblicherweise spricht man von stabilen Koalitionsstrukturen. Aber in Mehrheitsspielen können wir stabile Koalitionsstrukturen durch Angabe ihrer jeweils minimalen Gewinnkoalitionen beschreiben.)

Alle vier stabilen Koalitionen (BCDE, BCDF, BCEF und BDEF) sind jedoch unrealistisch, da diese jeweils Parteien enthalten, die ideologisch sehr unterschiedlich sind, und diese im Widerspruch zu expliziten Wahlversprechen stehen. Wenn wir alle expliziten Koalitionsaussagen berücksichtigen, nämlich, dass keine andere Partei eine Koalition mit F eingehen wird und dass Partei D keine Koalition mit E eingeht, dann ergeben sich ACD (‚Jamaica‘) und ACE als stabile Koalitionen (gemäß dem konditionalen Shapley-Wert).´

„Berechung“ klicken, um die Ergebnisse unter Berücksichtigung expliziter Koalitionsaussagen zu erhalten.

 

Der Anteil der Ministerien einer Partei innerhalb einer bestimmten Koalition (‚Macht‘) wird durch „Stärke der Partei“ mal „Stabilitätskoeffizient der Koalition“ abgeschätzt. Wenn sich die Koalition AB bildet, dann würde Partei B folglich 10% von 60/19, d.h., etwas mehr als 30% der Ministerposten erhalten, und A die restlichen 70%. Wenn sich die Koalition ACD bildet, dann würde Partei A 13/60 mal 60/17 erhalten, was etwas mehr als 75% der Ministerposten entspricht; Partei C würde 1/20 mal denselben Koeffizient von 60/17 erhalten, was etwa 18% der Ministerposten entspricht; Partei D würde die restlichen 7% erhalten.

Im Vergleich mit der Lage nach der Wahl im Jahr 2013 können die Ergebnisse folgendermaßen zusammengefasst werden. Dazu nehmen wir an, dass der Kanzlerinnenposten fünf Ministerposten entspricht, daher also 20 Ministerposten unter den Koalitionspartnern zu vergeben sind. Im Jahr 2013, in dem die FDP als potentieller Koalitionspartner nicht zur Verfügung stand, gestand die CDU/CSU sechs Ministerien (etwa ein Drittel) der SPD zu, um die Große Koalition AB bilden zu können. Auf Grundlage der aktuellen Wahlumfragen könnte die SPD heute ebenfalls sechs Ministerien (30%) in einer Großen Koalition mit der CDU/CSU erwarten. Da jetzt die FDP die 5%-Hürde übersprungen hat und wieder als Koalitionspartner zur Verfügung steht, kann die CDU/CSU auch die Koalition ACD bilden und den Koalitionspartnern fünf Ministerien anbieten, nämlich, drei bis vier den Grünen (18%) und ein oder zwei der FDP (7%).

„Berechung“ klicken, um die Koalitionen und Ministeriumszuordnungen gemäß konditionalem Shapley-Wert auf Grundlage der Wahlergebnisse des Jahres 2013 zu erhalten.

 

Man beachte, daß die SPD sich ungeachtet der Gewinnkoalition BCE, in der die SPD ein Drittel der Ministerposten hätte erwarten können, für dasselbe Drittel der Ministerposten in der Großen Koalition mit der CDU/CSU entschieden hat. Das lässt vermuten, dass diese Entscheidung der SPD auch dadurch motiviert war, die große Stimmenverschiebung nach rechts bei der Wahl im Jahr 2013 – die SPD hatte sich mehr in einer Koalition der Mitte als in einer linken Koalition positioniert – eher zu unterstützen als ihr entgegenzuwirken. Ihrerseits zog die CDU/CSU es vor, der SPD ein zusätzliches Ministerium (sechs statt fünf) anzubieten, um die Koalition AB aus Sicht des Koalitionspartners genauso attraktiv zu machen wie die alternative Koalition BCE und somit jegliche potenzielle Gefahr, nicht an der Regierung beteiligt zu sein, zu bannen.

Prof. Dr. André Casajus and Prof. Pierfrancesco La Mura, Ph.D.
Chair of Economics and Information Systems
HHL Leipzig Graduate School of Management

Web app von Pierfrancesco La Mura

 

Über den Autor

Prof. Pierfrancesco La Mura, Ph.D.
Lehrstuhlinhaber an der HHL | Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik des E-Business