Ab in die Führungsetage – aber wie?

Dominik Kanbach, MiM / M.Sc. Programm

Wer in Unternehmen aufsteigen will, braucht die richtige Ausbildung. Früher galt der Master of Business Administration als Königsdisziplin. Heute führen viele Wege ans Ziel. Eine Hilfestellung für alle Interessenten.

„Irgendwie in die Wirtschaft“ wollte Thomas Gabriel, das wusste er schon früh. In der Oberstufe am Gymnasium, als es langsam auch um die spätere Berufswahl ging, keimte in ihm der Wunsch in einem großen, internationalen Unternehmen zu arbeiten: raus aus dem Heimatdorf, die Welt kennenlernen, Verantwortung übernehmen. „Studier‘ doch Betriebswirtschaft“, riet ihm sein Vater. Der damals 20-Jährige nahm den Ratschlag ernst und der Bachelor im Fach BWL ging im leicht von der Hand. „Es war ein richtig gutes Grundlagenstudium mit Vertiefungsmöglichkeiten in Management und Organisation, Wirtschaftsinformatik, Finanzierung oder auch Marketing“, erinnert sich der Studierende. Sein studienbegleitendes Praktikum absolvierte er in einem Autokonzern. Eigentlich lief alles wie geschmiert. Doch die drei Jahre gingen schnell um. Und dann? Job oder Master? Schnell war Thomas Gabriel klar, dass es ein Master als Job-Turbo werden sollte.

Noch in den letzten Zügen seines Bachelor-Studiums warf Thomas Gabriel deshalb ein Blick ins Internet und bemerkte schnell: die Auswahl an Management-Masterstudiengängen ist riesig – aber welcher soll nun der Richtige sein?

Gabriels älterer Bruder riet ihm zu einem MBA, Master of Business Administration. Dieser international anerkannte Studienabschluss ist renommiert und lockt mit hohen Einstiegsgehältern. Gute Idee also, doch als Thomas Gabriel an den verschiedenen Unis die Zulassungsvoraussetzungen recherchierte, stellte er fest: Für einen MBA braucht er Berufserfahrung – in der Regel mindestens zwei Jahre. Die konnte der mittlerweile 24-Jährige nicht vorweisen. Zudem wollte er nicht – wie viele andere – erstmal einen Job annehmen und dann zurück an die Uni.

Master in Management – der andere Weg in die Chefetage

Heute weiß Thomas Gabriel: Es gibt auch andere Wege in die Management-Etage von Unternehmen. Denn für alle, die keine oder weniger als zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können, kommt ein Master in Management (MIM) in Frage. MIM ist allerdings keine Bezeichnung für einen beruflichen Abschluss oder einen akademischen Grad. Vielmehr sind damit Studiengänge gemeint, die auf den Schwerpunkt Management ausgerichtet sind. In manchen von ihnen kann man sich neben den allgemeinen Management-Inhalten im Studienverlauf auf seine Interessen wie Finanzierung, Strategie und Personalmanagement spezialisieren.

Welchen Abschluss erreiche ich?

Unterschieden wird zum Beispiel zwischen Master of Science (M.Sc.) oder Master of Arts (M.A.). Verwirrend ist leider: Jede Hochschule kann selbst festlegen, welchen Titel sie vergibt. Deshalb ist besonders wichtig, sich genau an jeder Hochschule zu informieren und die konkreten Studieninhalte- und Fächer zu eruieren.

Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es?

Im Management-Master gibt es konsekutive und nicht-konsekutive Studienangebote. Laut der Global MIM Survey 2014 setzen rund zwei Drittel der weltweiten Master-in-General-Management-Vollzeit-Programme keinen Bachelor in Wirtschaft oder Management voraus. Für das restliche Drittel aller Master-Angebote aber ist ein wirtschaftswissenschaftliches Erststudium, also ein Bachelor Voraussetzung. Bei den nicht-konsekutiven Studienangeboten, also die, die ohne fachliche Vorkenntnisse auskommen, steht die Hälfte der Programme anderen Fachrichtungen offen, zum Beispiel Sozialwissenschaften oder Psychologie – Fächern, in denen bereits Methodenwissen und Statistik vermittelt wurde. Die andere Hälfte ist offen für Absolventen aller Fachrichtungen. Berufserfahrung ist bei keinem Master in Management notwendig, dafür gute Sprachkenntnisse. 86 Prozent der Angebote in Deutschland werden in Englisch unterrichtet.

Wie finde ich die richtige Hochschule und das richtige Master-Programm?

Der Master in Management ist ein relativ neues Phänomen. 76 Prozent aller Studienangebote sind erst seit 2000 auf dem Markt und rund die Hälfte der Angebote sind in den letzten sechs Jahren dazu gekommen. Tendenz steigend. Wer im MIM-Compass, einem gut strukturierten Internet-Portal, nach Studienangeboten sucht, findet allein an Deutschen Fachhochschulen, Universitäten und Business Schools 104 Studienangebote.

„Bevor man sich für einen Master in Management entscheidet, sollte man genau schauen, wo man beruflich hin will und dann das passende Programm dazu suchen“, sagt Thomas Graf, MIM-Experte und Betreiber der Webseite MIM-Compass. Seit über fünf Jahren sammelt er alle Informationen rund um MIM und wertet diese systematisch aus. Ob praktisch in die Wirtschaft oder doch forschend oder lehrend an Hochschulen oder Akademien: der Master of Science (M.Sc.) ist wissenschaftlich ausgerichtet und bereit auf eine anschließende Promotion vor.

„Der Master in Management ist quasi das Folgeprogramm zum Diplom-Kaufmann“, erklärt Prof. Dr. Henning Zülch, M.Sc.-Programm-Direktor an der HHL Leipzig Graduate School of Management. Dabei gebe es vor allem beim Master of Science in Deutschland strenge Auflagen, was den erforderlichen hohen Theorieanteil des Studiengangs angeht. Denn die Studierenden haben schon einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss, also muss das Master-Studium fachlich deutlich tiefer gehen. „Neben Spezialisierungsmöglichkeiten in Finance, Accounting, Marketing, Advanced General Management und anderen Fächern legt die HHL zum Beispiel besonderen Wert auf die Vermittlung von Soft Skills“, fügt Zülch hinzu. Kurse wie Problem Solving & Communication, Negotiation oder International Management Competencies gehören zur Ausbildung, genauso wie Auslandsstudium und Praktikum.

Was zählt mehr: Fachwissen oder guter Ruf?

Wichtig aber sei vor allem, so MIM-Experte Thomas Graf, sich nicht von namenhaften Business Schools leiten zu lassen. Vorteil jedoch seien die guten Unternehmenskontakte, beispielsweise zu den großen Unternehmensberatungen. Im Vordergrund sollte das Berufsziel stehen. Graf hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „The MIM Ebook – How to find the best Master in Management.“ Darin plädiert er dafür, die Entscheidung für einen Master an die eigenen Karriereziele zu koppeln. Wer Investmentbanker werden will, sollte zum Beispiel schauen, an welchen Hochschulen solche Unternehmen rekrutieren. Wer die Firma des Vaters übernehmen will, sollte sich mit einer Schule in Verbindung setzten, die im Bereich Entrepreneurship oder Familienunternehmen entsprechende Expertise aufweist.

Wo kann ich den Master in Management studieren?

Der Master in Management ist quasi auf der ganzen Welt zu Hause, vor allem aber in Europa. Über 70 Prozent der weltweit angebotenen Studiengänge gibt es in unseren Breiten. Rund 15 Prozent werden an Hochschulen in den USA angeboten.

Was muss ich für einen Master in Management bezahlen?

Generell sind alle Master-in-Management-Angebote kostengünstiger als der MBA. Thomas Graf fand bei seinen Forschungen heraus, dass Studierende für einen einjährigen Master in Management durchschnittlich 12.500 Euro zahlen müssen.

Wie lange muss ich studieren?

Bei rund der Hälfte der Studienangebote können Studierende schon nach einem Jahr ihren Master in Science oder Master of Arts in Management erwerben. Bei der anderen Hälfte dauert die Ausbildung bis zu zwei Jahre.

Welche Erfolgschancen habe ich mit einem Master in Management?

Master-Absolventen sind mehr als gefragt. 90 Prozent der Vollzeit-Studierenden finden innerhalb von drei Monaten nach ihrem Abschluss einen Job. Dort verdienen sie 42.500 Euro im Durchschnitt und circa 2,4 Mal mehr als die vorher bezahlten Studiengebühren. Je nach Unternehmen können die Einstiegsgehälter stark variieren. Viele Business Schools, darunter auch die HHL, argumentieren mit einem schnellen Return-on-Investment, da die Einstiegsgehälter über 55.000 Euro liegen.

5 Tipps bei der Suche nach dem geeigneten Management-Master-Studiengang

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Auf einen Blick: der Master in Management

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Master of Sciene: 75 Prozent

  • Studienangebote, die größtenteils einen Wirtschaftsbachelor voraussetzen
  • Da konsekutiv (d.h. auf Fachwissen aufbauen), steigt man schneller in die Materie ein und vertieft das BWL-Wissen
  • Abschluss: überwiegend „Master of Science“

Master of Arts: 25 Prozent

  • Studienangebote, die keinen Wirtschaftsbachelor voraussetzen, sondern auch Geistes- und Sozialwissenschaftler akzeptieren
  • Da nicht konsekutiv, steigt man langsamer in die Materie ein, da die Studierenden weniger BWL- und vor allem unterschiedliches Grundwissen mitbringen
  • Abschluss: überwiegend „Master of Arts“

 

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